Leseprobe
Kayla Wilsons Memorial Party.
Ich starre auf das Schild, das groß und unübersehbar über dem Hauseingang meiner Eltern hängt. Mir dreht sich bei diesen vier Worten der Magen um und ich möchte die Beine in die Hand nehmen und weglaufen. Verstohlen schaue ich von links nach rechts, aber ich stehe ganz allein auf der Harmond Road. Wenn ich jetzt gehe, würde es nicht einmal jemand bemerken.
Das Traurige an der Sache ist nicht, dass ich diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung ziehe, sondern vielmehr, dass es keinen Unterschied macht, ob ich nun zurück zur Bushaltestelle laufe oder ob ich doch ins Haus hineingehe. Denn es wird niemand bemerken, ob ich da bin. Nicht, wenn meine Schwester überall ist.
Ich kaue unschlüssig auf meiner Lippe herum, während ich meinen Blick umherschweifen lasse. Über die weiße Hausfassade, die schwarzen
Rahmen von Tür und Fenstern, das glänzende Dach und den gepflegten Vorgarten, auf den meine Mum immer viel Wert gelegt hat. Früher blühten hier um die Zeit Dahlien, Begonien und riesige Sonnenblumen, denen ich mit Grandma aus Spaß immer Namen gegeben habe, als ich noch klein war.
Hallo, Amelia. Hallo, Charlotte. Hallo, Meg.
Wo seid ihr nur?
Jetzt muss ich schlucken, als ich die blaugefärbten Hortensien sehe, die alles bedecken. Nur noch blau, blau, blau – und es verschluckt alles. Kein buntes Farbenmeer, kein lächelndes, im Wind wippendes Sonnenblumenbegrüßungskomittee. Nur noch Kaylas Lieblingsblumen, die den gesamten Vorgarten erobert haben. Ich möchte bei diesem Anblick am liebsten laut schreien, presse aber nur die Lippen zusammen und straffe die Schultern …