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Gina Chiabudini

Veridian

Die Legende von Elysion

Durch das Raumtor kehren Lysander, Serafina und Gideon nach Rigya zurück. Was sie dort erwartet, ist grauenvoller als sie sich jemals hätten vorstellen können. Und der Drachenprinz gibt sich für all das selbst die Schuld, denn sein Bruder Veridian ist auf der Suche nach ihm. Veridian, der vor nichts zurückschreckt, um endlich König von Draconis zu werden. Um ihn aufzuhalten und diejenigen zu retten, die er liebt, bleibt Lysander nur eine Möglichkeit:
Er muss zurück nach Draconis und sich Veridian stellen ...

Leseprobe "Veridian - Die Legende von Elysion"

Der Durst brannte Tristeyn Astoria in der Kehle. Sein Kopf schmerzte höllisch und er wollte am liebsten einfach nur noch die Augen schließen und schlafen, weil er diese Welt dann vergessen und sich in seinen Träumen vor den Schmerzen verstecken konnte.
Sein ganzer Körper brannte von der Folter, der er unterzogen worden war. Und Nazarena war nicht gnädig. Das hatte er auf die schmerzhafteste Art und Weise lernen müssen.
Er wollte schlafen. In eine andere Welt entschwinden, wo es keine Hexen mit Kristallstäben gab, die seinen Körper mit schwarzen Brandwunden übersäten.
Aber seine Gedanken waren wach.
Sie waren bei Arisandra.
Sie waren immer bei ihr. Seit sie ihn damals verlassen hatte. Und nachdem er sie jetzt wiedergesehen hatte, war alles wieder herausgekrochen, was er so mühevoll in seinem Herzen hatte einschließen wollen.
Vielleicht wollte er gar nicht vor den Hexen entfliehen. Vielleicht wollte er sich in seinen dunklen Träumen gar nicht vor Nazarena und dem Schmerz verstecken, den sie ihm zugefügt hatte. Vielleicht wollte er sich vor seiner Liebe zu Arisandra verstecken, die er nach all den Jahren und nach allem, was geschehen war, einfach nicht vergessen konnte.
Er starrte durch die Dunkelheit und drückte sich die wunden, schmerzenden Handgelenke an die Brust. Seine Kehle brannte noch immer und er schluckte mühevoll, aber das machte es nur schlimmer. Er war heiser vom vielen Schreien und eigentlich hatte er geglaubt, keine einzige Träne mehr vergießen zu können. Doch sie sammelten sich in seinen Augenwinkeln und er schluchzte leise, als er sich an den Tag erinnerte, als er miterleben musste, wie sie gegangen war. Der Tag, seitdem nichts mehr war wie vorher. Und an den Tag, an dem sie ihm alles genommen hatte. An dem sie wirklich alles genommen hatte. Sich selbst. Und das Kind. Sein Leben. Sein Alles. Alles, was hätte sein können.
Er hasste sie. Er hasste sie so unendlich. Es tat ihm in der Brust weh, schnürte ihn ein wie eine Schlange, die ihn langsam und qualvoll ersticken wollte.
Wenn er diesen Kerker jemals wieder verlassen würde, dann würde er zu Arisandra gehen und sie eigenhändig erwürgen. Er wollte ihr in das schöne Gesicht sehen. Wollte ihr all die Fragen stellen, die ihm auf der Zunge brannten.
Er wollte eine Antwort.
Er wollte endlich auf alles eine Antwort.
Eine Antwort auf das quälende Warum in seinem Inneren, das ihn nun schon seit achtzehn langen Jahren zu zerfressen drohte.